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Während der Europäische Rat in Brüssel in einer turbulenten "Nachtsitzung“ zum 3. Oktober 2005 die formale Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Republik Kroatien und der Türkei beschloss, vernahm die europäische Öffentlichkeit diese Nachricht erst beim morgendlichen "news-check“. Über Nacht, so schien es, sollte sich die EU nunmehr ein zweites Mal nach Osten "öffnen“ und ein Land aufnehmen, das vor gar nicht allzu langer Zeit noch in kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarländern stand. Der "Staatszerfall“ des ehemaligen Jugoslawiens ist als eine der "größten Tragödien“ des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts kommentiert worden. Es sind gerade einmal 10 Jahre vergangen, dass der Daytoner Friedensvertrag den Kriegszustand zwischen den Konfliktparteien offiziell ad acta legte. Die Region des westlichen Balkans jedoch ist auch weiterhin politisch instabil, völkerrechtlich undefiniert und gesellschaftlich gespalten.
Die Republik Kroatien steht spätestens seit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen als erstes Land dieser Region vor den Toren Europas. Nun stellt sich die Frage: Ist Kroatien überhaupt politisch ausreichend konsolidiert, dass es einem Wertesystem beitritt, das gerade der Idee der friedlichen Konfliktlösung entsprang? Verfügt die Republik Kroatien über ausreichend stabile Institutionen um die demokratische und rechtsstaatliche Ordnung zu garantieren? Sind in der Republik Kroatien der Schutz und die Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte gewährleistet? Ist die EU-25 überhaupt bereit eine weitere Erweiterung institutionell zu absorbieren?
Dass diese Art von Fragen durchaus ihre Berechtigung finden, zeigt die tägliche Durchsicht der Tagespresse.
Im Rahmen meiner Diplomarbeit werde ich diesen Fragen nachgehen und aus politikwissenschaftlicher Sichtweise versuchen zu beantworten. Im Mittelpunkt meiner Bemühungen steht die Frage: welchen Einfluss bzw. welche Auswirkungen eine EU Mitgliedschaft für die Durchführung interner Reformprozesse in Beitritts- und Kandidatennstaaten ausübt?. Diese Fragestellung spiegelt ein aktuelles Forschungsthema wider, das vor allem in der "neueren" Transformationsforschung einerseits und der europäischen Integrationsforschung andererseits diskutiert wird und bei weiten noch nicht als "abgeschlossen" gesehen werden darf. Als Fallbeispiel dient mir die Minderheitenpolitik der Republik Kroatien. Vor dem Hintergrund der geographischen Lage und der "älteren“ sowie "neueren“ Geschichte bietet sich die Republik Kroatien in diesem Zusammenhang als ein besonders interessantes Fallbeispiel an.

Für eine ausführlichere Darstellung der Diplomarbeitsthese sowie zur Einsicht der Konzeptionalisierung und Gliederung der Diplomarbeit siehe auch


HUMBOLDT UNIVERSITÄT ZU BERLIN

Institut für Sozialwissenschaften

Lehrstuhl Internationale Politik am Institut für Sozialwissenschaften
 
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